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Gemeinschaftspraxis Dr.Lutz Mauersberg und Dr.Brit Wald

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Flugreisen- Medizinische Risiken und Vorbeugung

Oft werden wir in der Praxis mit der Frage konfrontiert, ob man denn mit der Krankheit X oder Y fliegen dürfe und ob es dabei etwas zu beachten gäbe.
Dabei liegen die verschiedensten Krankheitbilder vor, Diabetiker und Frischoperierte, Patienten mit Mittelohrentzündungen und nach Myokardinfarkt. Wem darf man also zuraten?

Statistisch betrachtet verreisen pro Jahr über 60 Millionen Deutsche, davon über 40 Millionen ins Ausland und wiederum mehr als sieben Millionen in Länder außerhalb Europas. Mit steigendem Lebensstandard, gesunkenen Flugpreisen, geänderten Freizeit- und Urlaubsgewohnheiten nahmen in den letzten Jahren insbesondere der Ferntourismus und damit Flugreisen zu. Deutlich zugenommen hat auch die Reiselust bei Senioren und Rentnern, der Gruppe also, in der häufiger diverse Krankheitsbilder anzutreffen sind.

Risikobereitschaft

Geht es um den Urlaub, werden persönliche Einschränkungen oder Risiken gerne heruntergespielt. Dabei können sich z.B. durch geänderte klimatische Bedingungen oder fremde Ernährungsweisen durchaus auch vorbestehende Risiken im Ausland zu manifesten Krankheiten weiterentwickeln. Von den über 40 Millionen Auslandsreisenden werden etwa 400 000 krank oder erleiden einen Unfall. Aus medizinischen und sozialen Gründen taucht in diesen Fällen die Frage nach der Möglichkeit eines Rücktransports Erkrankter oder Verletzter auf dem Luftweg auf, um die Behandlung heimatnah fortsetzen zu können. Auch hier spielt die Flugreisetauglichkeit dann eine entscheidende Rolle.

Hierbei gilt es, eventuellen Gesundheitsschäden oder der Verschlechterung einer Vorerkrankung aufgrund der Flugreise vorzubeugen. Daneben sind eventuell Infektionsrisiko und Gefährdung Mitreisender und der Flugzeugbesatzung auszuschließen. Ferner ist zu berücksichtigen, ob der Patient den Passagiersitz mit aufrechter Rückenlehne, wie es bei Start und Landung unabdingbar ist, benutzen und sich an Bord selbst versorgen kann (Essen und Trinken, Toilette, Erreichen des Sitzplatzes). Sollte dies nicht möglich sein, etwa bei einem aus medizinischen Gründen nötigen Rücktransport aus dem Urlaubsland in die Heimat, so bieten sich verschiedene Möglichkeiten an. Neben dem Transport in einem Ambulanzflugzeug, wie sie von verschiedenen Rettungsflugorganisationen betrieben werden, ist unter spezielle Voraussetzungen oft auch ein Transport mit einem Linienflugzeug möglich.

Das künstliche Klima an Bord

Die Umweltbedingungen an Bord eines Passagierflugzeuges haben vielfältige Einflüsse auf den gesunden und kranken Organismus. Dieses Milieu unterscheidet sich in vieler Hinsicht deutlich von den Umgebungsbedingungen am Erdboden. In den Flughöhen von Passagierflugzeugen (zwischen 10 000 und 12 000 Metern) herrschen absolut lebensfeindliche Verhältnisse. Es finden sich Temperaturen von -56 Grad C, Luftdruck und Sauerstoffpartialdruck betragen nur noch ein Viertel der Werte in Meereshöhe. Erst durch eine Druckkabine, die in den genannten Flughöhen einen Druck gewährleistet, wie er einer Höhe von etwa 2400 Metern über dem Meeresspiegel entsprechen würde, sowie Temperaturregelung sind Flüge in diesen Höhen überhaupt erst ermöglicht worden.

Sauerstoffmangel

Der abnehmende Umgebungsdruck in der Flugzeugkabine bedingt eine Verringerung des Sauerstoffpartialdrucks um ca. 25% und der Sauerstoffsättigung von 97 auf 90% (beim Gesunden) sowie eine Volumenzunahme von in Körperhöhlen eingeschlossener Luft (Nasennebenhöhlen, Mittelohr, Darmgase, aber auch Pneumothorax oder Pneumoperitoneum). Nach einem Tauchgang kommt es verstärkt zum Ausperlen von Stickstoffbläschen (cave Dekompressionskrankheit!). Ferner sind sehr geringe Luftfeuchtigkeit (relative Luftfeuchtigkeit zwischen 4 und 15%) und begrenztes Raumangebot zu berücksichtigen.

Diese Veränderungen werden aufgrund der ausreichenden homöostatischen Reaktionsbreite von Gesunden toleriert, können aber bei Kranken Probleme bereiten. So können etwa Patienten mit Ventilationsstörungen oder gestörtem Sauerstofftransfer ebenso wie Patienten mit einer Anämie durch die Verminderung des P02 hypoxisch (sauerstoffarm) werden. Die Koronarreserve des Herzes kann sich bei Koronarinsuffizienz bis in den kritischen Bereich vermindern. Außerdem kommt es bei Hypoxie zu einer Erhöhung des Drucks in der Lungenstrombahn, was der Gesunde toleriert, nicht jedoch der Patient mit vorbestehender pulmonaler Hypertonie oder einer Herzinsuffizienz.

Entscheidungsgrundlagen

Zur Beurteilung der Flugreisetauglichkeit lässt sich der Schweregrad der Herzinsuffizienz und der KHK mit den Einteilungen nach den Richtlinien der New York Heart Association (NYHA) bzw. der Canadian Cardiovascular Society (CCS) abschätzen. Bei kardiopulmonalen Vorerkrankungen gibt es flugmedizinische Empfehlungen, nach denen ein Flugreise ohne besondere Vorkehrungen möglich ist.

Werden diese Grenzwerte unterschritten, so muss während des Flugs Sauerstoff gegeben werden, wobei zu bachten ist, dass nur die von den Fluggesellschaften zugelassenen Geräte zu Einsatz kommen dürfen.

Nach traumatologischen oder orthopädischen Eingriffen sind begrenztes Raumangebot und eventuell Turbulenzen zu berücksichtigen. Aufgrund der Ödemneigung (Wassereinlagerung) in abhängigen Körperpartien sind zirkuläre Gipse bei Flugreisen nicht erlaubt; als Alternative bieten sich gespaltene Gipsverbände oder Gipsschienen an. Nach allgemeinchirurgischen, augenärztlichen oder HNO-ärztlichen Eingriffen, aber auch bei Infekten der oberen Luftwege oder Ileus (Darmverschluss) bereitet die Gasausdehnung beim Steigflug eventuell Probleme.

Thromboserisiko

Eine vorbestehende Thromboseneigung (postoperativ oder thrombotische Diathese) wird im Flug deutlich verstärkt durch enge Sitzreihen mit mangelnder Bewegungsmöglichkeit der Beine, Kompression der V. poplitea am Knie durch die Sitzkante, lang anhaltende Beugung im Knie- und Hüftgelenk mit reduziertem venösen Fluss sowie Flüssigkeitsverschiebungen und zu geringe Trinkmenge mit Erhöhung der Blutviskosität. Bei entsprechenden Risiken empfehlen sich neben stündlichem Aufstehen vom Sitzplatz und regelmäßiger Betätigung der Wadenmuskelpumpe Kompressionsstrümpfe und ggf. niedermolekulare Heparine. (siehe auch 'Thromboseprophylaxe')

Viel Trinken und Bewegung

Allgemein sind während einer Flugreise ausreichende Flüssigkeitszufuhr (ca. 250 ml/h), Vermeidung kohlensäurehaltiger und alkoholischer Getränke sowie blähender Speisen zu empfehlen. Auch Gesunde sollten bei längeren Flugreisen von Zeit zu Zeit ihren Sitzplatz verlassen und die Gelenke der unteren Extremitäten durchbewegen.

Medikamenteneinnahme: Zeitverschiebung beachten !

Bei der Medikamenteneinnahme ist die Zeitverschiebung zu beachten. Lang wirksame Präparate sind zu bevorzugen und gewährleisten ausreichende Wirkstoffspiegel. Orale Kontrazeptiva ('Pille') sind umso sicherer, je höher der Östrogenanteil ist. Während bei sog. Mikropillen (weniger als 50 mg Ostradiol) auf einen 24-stündigen Einnahmeabstand zu achten ist, können konventionelle Präparate (mehr als 50 mg Ostradiol) zur gewohnten Tageszeit eingenommen werden. Minipillen (kein Östrogenanteil) mit ihrer ohnehin geringeren Kontrazeptionswirkung können ebenfalls unverändert eingenommen werden. Bei Substitutionstherapie mit Glukokortikoiden ist bei Reisen nach Westen die Hälfte der Dosis über fünf Tage zusätzlich zu verordnen (Verschiebung des Tag/ Nachtrhythmusses).
Prinzipiell gilt: Die notwendigen Dauermedikamente (z.B. Insulin bei Diabetikern, Herz- und Blutdruckmittel, Blutverdünner, Schmerzmittel etc.) sollten in ausreichender Menge mitgenommen werden, um Beschaffungsproblemen vorzubeugen. Die Zusammenstellung einer Reiseapotheke sollte individuell mit dem Hausarzt besprochen werden, rechtliche und Einreisebestimmungen der Urlaubsländer müssen dabei beachtet werden.
Insbesondere bei Schmerzpatienten, welche mit Betäubungsmitteln (BTM, Opiate) behandelt werden, ist eine ärztliche Bestätigung über die Notwendigkeit, Dosierung etc. der mitgeführten Opiate zwingend erforderlich. Für die Länder des 'Schengen- Raums' (Europäische Union EU, Schengener Abkommen) ist ein Formblatt zum Grenzübertritt (79 Kb, PDF-Datei) verfügbar, für Länder außerhalb der EU gibt es ein ähnliches Formular (12 Kb, PDF-Datei). Beide Bescheinigungen sollten vor Antritt der Reise durch die oberste Landesgesundheitsbehörde oder eine von ihr beauftragte Stelle beglaubigt werden und sind meist 30 Tage gültig. Bei Fragen hilft die Botschaft oder ein Konsulat des Ziellandes weiter.

Weiterhin sollte das Infektionsrisiko nicht vernachlässigt werden; oft werden spezielle Reiseimpfungen empfohlen oder sind sogar zur Einreise vorgeschrieben.

Tipps für Diabetiker

Diabetiker sollten bei längeren Flugreisen darauf achten, dass eine für die gesamte Länge der Reise ausreichende Insulinmenge im Handgepäck jederzeit griffbereit mitzuführen ist. Sicherheitshalber sollte nochmals die gleiche Menge im aufgegebenen Gepäck sein. So ist auch dem selten vorkommenden Fall des Verlusts eines Gepäckstücks vorgebeugt. Das Insulin ist auf Reisen auch ohne Kühlung haltbar, auch wenn das Gepäck in Frachtstauräumen transportiert wird, kann es nicht zu kalt werden. Zu beachten ist ferner die Zeitverschiebung, an die Applikationsintervalle und -zeitpunkte anzupassen sind. Die entsprechenden Modifikationen ergeben sich aus Formeln oder speziellen Computerprogrammen. Auf orale Antidiabetika eingestellte Diabetiker sollten bei Flügen in Westrichtung weiter die heimatliche Dosierung beibehalten (z. B. 2 x 1), bei Ostflügen jedoch eine Einnahme auslassen. Eine Diabetesdiät muss spätestens 24 h vor dem Flug bei der Fluggesellschaft vorbestellt werden. Reisende Diabetiker sollten ferner ausreichend Spritzen und Injektionsnadeln bzw. Pens mitführen sowie einen Diabetikerausweis in mehreren Sprachen.

Individuelle Entscheidung je nach Krankheitsbild

Unter Berücksichtigung der vorgestellten Gegebenheiten und Erfahrungen der vergangenen Jahre haben sich von flugmedizinischer Seite Entscheidungskriterien zur Flugreisetauglichkeit herausgebildet. Diese spiegeln sich in den allgemeinen Handlungsanweisungen der IATA (International AirTransport Association) wieder, den sich daran orientierenden Angaben der verschiedenen Airlines und von Fachgesellschaften wie der amerikanischen Aerospace Medical Association. Diese meist nur allgemeine Empfehlungen und Beschreibungen nehmen nur selten zu definierten Krankheitsbildern Stellung. Der medizinische Dienst der Lufthansa z.B. hat eine überarbeitete und umfangreiche Liste zur Flugreisetauglichkeit bei definierten Krankheitsbildern herausgegeben. Kann die definitive Flugtauglichkeit durch den Hausarzt nicht bescheinigt werden, muß die letztendliche Entscheidung über die Flugreisetauglichkeit bei Erkrankungen durch den medizinischen Dienst der jeweiligen Fluggesellschaft getroffen werden. Der Hausarzt kann zu diesem Zweck dort über die sog. MEDA-Formulare eine Anfrage stellen.
Die MEDA-Formulare erhalten Sie im Reisebüro, das Musterformblatt einer deutschen Fluggesellschaft bieten wir zur Vorab-Information auch als Download am Ende dieser Seite an.

Weitere Informationen

Artikel 'Impfen und Impfschutz in jedem Alter- eine Übersicht'

Artikel 'Reiseberatung, Reiseimpfung'

Artikel 'Thromboseprophylaxe bei Reisen'

Download der 'Bescheinigung für das Mitführen von Betäubungsmitteln in der EU' (PDF-Datei 79 kb)

Download der 'Bescheinigung für das Mitführen von Betäubungsmitteln außerhalb der EU' (PDF-Datei 12 kb)

Download des 'MEDA- Formblatts einer dt. Fluggesellschaft' (PDF-Datei 1,33 Mb)